Das Projekt Demoenergie

Die Energiewende bringt Konflikte auf mehreren Ebenen hervor. Diese haben u.a. Visionen der Energiewende und damit verbundene Technologien, die konkrete Umsetzung solcher Technologien in Infrastrukturplanung sowie die Informations-, Erörterungs- und Entscheidungsprozesse um Infrastrukturprojekte zum Gegenstand.

Demoenergie versteht die Transformation des Energiesystems mitsamt ihren Konflikten als Anlass, anhand dessen unterschiedliche AkteurInnen verschiedene Ansprüche aneinander sowie an den Staat neu austarieren. Insbesondere bei BürgerInnen geschieht die Artikulation solcher Ansprüche häufig anhand von Planungen zu Infrastrukturprojekten, die ihr Lebensumfeld unmittelbar betreffen.

Neuere Formen von Partizipation haben Hoffnung geweckt, diese Ansprüche auf Mitsprache und -wirkung einlösen zu können – insbesondere Verfahren der dialogorientierten Bürgerbeteiligung. Der Kontext der Energiewende stellt aber schwierige Bedingungen für solche Verfahren: Von umstrittenem Gemeinwohl, auseinandergehenden Interessen, spielraumeinschränkenden Mehrebenen-Planungen, politischen Inkongruenzen und der Schwierigkeit, solche Verfahren sinnvoll in Planungsverfahren einzufügen, um nur einige zu nennen.

Demoenergie hat zum Ziel, Erkenntnisse über Konflikte, Kontexte und Herausforderungen von dialogorientierter Bürgerbeteiligung zur Planung von Infrastruktur der Energiewende zu sammeln: 1. Was können und müssen wir über die Konflikte lernen, die in der Energiewende auftreten? Welche Konsequenzen haben ihre Charakteristika für die Rolle von Bürgerbeteiligung und ihre Ausgestaltung in der Energiewende? 2. Welche Kommunikations- und Partizipationspraktiken etablieren sich gegenwärtig im Feld der Energiewende? Wodurch zeichnen sie sich aus? 3. Lassen sich in Aktionsforschung Beteiligungsprozesse initiieren, die den Bürgern eine größere Rolle in der Planung von Infrastruktur einräumen? Was kann man aus diesen Prozessen über Planung und Umsetzung von Bürgerbeteiligung zu Infrastrukturprojekten in der Energiewende lernen?

Demoenergie ist ein Verbundvorhaben vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und dem Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam. Es besteht aus drei Modulen, die sich diesen drei Fragekomplexen widmen. Die empirischen Fälle behandeln die Carbon Capture and Storage-Technologie (CCS) in Brandenburg sowie den Netzausbau in Bayern.

Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Claus Leggewie, Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer sowie Prof. Dr. Patrizia Nanz.

Finanziert wird Demoenergie im Rahmen der Förderlinie “sozial und ökoligisch verträgliche Transformation des Energiesystems” vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.